Fußball

Farioli im Duell mit HoeneßModerner Mourinho steht Stuttgarts Titelträumen im Weg

12.03.2026, 06:10 Uhr
imageVon Emmanuel Schneider
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March-8-2026-Lisboa-Portugal-Lisbon-08-03-2026-Tonight-Sport-Lisboa-e-Benfica-hosted-Futebol-Clube-do-Porto-for-the-25th-round-of-the-Liga-Portugal-Betclic-at-EstAA-dio-da-Luz-in-Lisbon
Francesco Farioli ist zu Gast in Stuttgart. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Für den großen Traum vom Europa-League-Finale in Istanbul muss der VfB Stuttgart die Hürde FC Porto nehmen. Die Portugiesen kommen mit viel Selbstbewusstsein ins Ländle. An der Seitenlinie wartet ein spannendes Duell.

Es steht zwar Europa League drauf, doch Gegner und Ambiente verbreiten ein ordentliches Flair von Champions League. Wenn am frühen Abend (ab 18:15 Uhr auf RTL+, ab 18:30 Uhr bei RTL/NITRO, Anpfiff 18:45 Uhr) das Flutlicht im Stuttgarter Neckarstadion angeht, wird es auf den Rängen ganz besonders knistern. Fans und Verein haben lange auf ein europäisches Achtelfinale gewartet. Ziemlich genau 13 Jahre ist es her, dass die Schwaben zuletzt in der Europa League in der Runde der besten 16 standen. Gegen Lazio Rom war sang- und klanglos Endstation (0:2 und 1:3). Im VfB-Aufgebot damals dabei: Sportdirektor Christian Gentner, Bayern-Keeper Sven Ulreich oder auch der heutige Real-Star Antonio Rüdiger.

Der VfB Stuttgart im Jahr 2026 rechnet sich durchaus mehr aus in diesem Achtelfinale und träumt offen vom großen Titel. Die Partie gegen Porto wird auf diesem Weg aber eine große Aufgabe für den amtierenden DFB-Pokalsieger. Ein Duell mindestens auf Augenhöhe. In der portugiesischen Liga führt Porto seit Monaten souverän die Tabelle an. Der Klub mit der großen Geschichte und 170.000 Mitgliedern hat sich derzeit als klares Zugpferd des Giganten-Trios um Benfica und Sporting aus Lissabon etabliert.

"Das ist in einem Achtelfinale schon ein außergewöhnlich starker Gegner. Es ist eine Mannschaft, die für mich auch im Achtelfinale der Champions League stehen könnte. Da ist Hochleistung gefordert", sagte Hoeneß bei der Pressekonferenz vor dem Spiel. "Wenn du Schwächen zeigst, dann werden die offenbart auf diesem Level gegen diese Mannschaft. Und das ist genau das, was wir wollen."

Der Mourinho der Neuzeit

Eine der spannendsten Porto-Personalien ist der Trainer des Teams. Francesco Farioli ist erst 36 Jahre alt und einer der jüngsten Trainer im Profibusiness, war aber schon in der Türkei, Katar, Frankreich und den Niederlanden beschäftigt - jetzt ist er in Portugal angekommen und schreibt dort seine Erfolgsgeschichte fort. Der Italiener führte 2025 Ajax beinahe zum niederländischen Titel, trat dann aber trotz laufenden Vertrags zurück und suchte die neue Herausforderung in der portugiesischen Hafenstadt.

Farioli hat sich den Ruf erarbeitet, ein innovativer Trainer zu sein. Mit seinen 36 Jahren ist er quasi der José Mourinho der Porto-Neuzeit, auch wenn ihn Spielstil und Auftreten von der Trainer-Ikone ziemlich unterscheiden. Mit dem damals noch wenig bekannten Mourinho in seinen 30ern begründete Porto Anfang der 2000er eine echte Ära und feierte den größten Coup der Geschichte. 2004 gewann die Mourinho-Elf auf Schalke die Champions League.

Ganz so weit ist es bei Farioli freilich noch nicht. Er wurde schon mehrmals zum Trainer des Monats ausgezeichnet, Titel gewonnen hat er bisher nicht. Dafür sieht es in diesem Jahr gut aus. Porto ist auf dem Weg zur 34. Meisterschaft. Statt in der Königsklasse strebt Porto vorerst einen Erfolg eine Etage tiefer in der Europa League an. Sein Punkteschnitt bisher: überragende 2,44.

Der Farioli-Fußball sieht so aus: Porto spielt im 4-3-3-System einen modernen und kontrollierten Ansatz mit viel Ballbesitz und viel Ballkontrolle. Der Tabellenführer der Primeira Liga will das Spiel machen, dominieren und über kurze Pässe Raumgewinne erzielen. Auch über das schnelle Umschaltspiel ist Porto immer wieder gefährlich. Hinten hält eine stabile Defensivachse den Laden dicht. Als moderner Taktiker ist Farioli also ein interessanter Herausforderer für VfB-Coach Sebastian Hoeneß, dem man Ähnliches attestieren kann. Auch die Schwaben wollen stets viel den Ball haben, den Gegner schwindelig spielen und auf Gegenpressing setzen.

Start als Torwarttrainer

Kurioserweise begann Farioli einst als Torwarttrainer, nachdem er Philosophie und Sportwissenschaft studiert hatte. Während seines ersten Auslandsaufenthalts holte ihn Roberto De Zerbi nach Italien zurück. Dort arbeitete das Duo gemeinsam bei Sassuolo. De Zerbi ist für viele junge Trainer-Durchstarter wie auch Hoeneß ein Vorbild, dessen Spielstil oft mit dem des Italieners verglichen wird.

Nun kreuzen sich die Wege von Hoeneß und Farioli. Der Gast muss für das K.-o.-Spiel gegen Stuttgart Lösungen finden. Der wichtigste Stürmer Samu Aghehowa (20 Treffer) fällt mit einer Kreuzbandverletzung aus. Sturm-Routinier Luuk de Jong fehlt mit der gleichen Verletzung. Auch das polnische Top-Talent Oskar Pietuszewski muss der VfB nicht fürchten. Erst vor wenigen Tagen hatte er ein sehenswertes Tor gegen Benfica erzielt. Der 17-Jährige steht aber nicht im Europa-League-Kader der Portugiesen.

Und dennoch verfügt Porto über einen Kader, der es mit den Stuttgartern aufnehmen kann. Eine Säule im Team ist Torhüter Diogo Costa. Der Nationaltorhüter Portugals bringt die Erfahrung aus Weltmeisterschaft und Europameisterschaft mit und hat einen Ruf als veritabler Elfmeter-Entschärfer. Im Mittelfeld sorgt Mega-Juwel Rodrigo Mora für Aufsehen. Der 18-Jährige stammt aus der eigenen Jugend und steht schon bei einem Marktwert von mehr als 40 Millionen Euro. Auch Gabri Veiga und der Däne Victor Froholdt bringen in der Offensive viel Torgefahr mit.

Mut macht dem VfB die Heimbilanz in der Europa League: In fünf Partien gelangen den Schwaben vier Siege. In Cannstatt rollte die schwäbische Tormaschine bis auf das Spiel gegen Celtic verlässlich. So oder so gibt es am Donnerstag eine Premiere. Das Aufeinandertreffen ist die erste Begegnung zwischen Stuttgart und Porto überhaupt. Es wird knistern, auf und neben dem Platz.

Quelle: ntv.de

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